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<!DOCTYPE kritik SYSTEM "../../kritik.dtd">

<kritik>

 <artikel>

  <feld><titel>Christliche Propaganda</titel></feld>
  <feld><untertitel>Eine Übersicht zu den Themen und Argumentationen des aktuellen christlichen Fundamentalismus</untertitel></feld>
  <feld><autorin>chaze und a radical theory [art.e]</autorin></feld>

  <feld><titel2>Vorbemerkung</titel2></feld>
  <feld><absatz>Freikirchen werden von der radikalen Linken so gut wie nie beachtet. Ihre Anhänger und Anhängerinnen gelten einfach als Menschen, die nicht in den offiziellen Kirchen vertreten sind und trotzdem an Jesus glauben. So weit, so schlecht. Einigen ist bekannt, dass Freikirchen etwas extremer in ihrem Glauben sind, sowohl bei der Missionsarbeit, als auch in ihrem eigenen Leben. Etwas durchgeknallter halt. Doch die relative Nicht-Beachtung sollte auf keinen Fall darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei den Mitgliedern dieser religiösen Initiativen um die größte fundamentalistische Gruppe handelt, die in Deutschland aktiv ist. Dass die Zahlen der Aktiven durch ständige Spaltungen und Austritte, trotz immer neuer Mitglieder stagniert, tut dem keinen Abbruch.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Die Evangelische Nachrichtenagentur e.V. [kurz idea, für „Informationsdienst der Evangelischen Allianz“] versucht freikirchlichen Bestrebungen eine publizistische Form zu geben. Sie gibt mit dem „idea-Spektrum“ eine diesem Zweck geschaffene Wochenzeitung heraus. Ein Blick in diese Publikation gibt Aufschluss über die Ideologie und Themen, welche innerhalb dieser Szene verhandelt werden und mit denen versucht wird, die Gesellschaft zu beeinflussen. Wer sich mit diesen Gruppen auseinandersetzen muss - vor allem wegen ihrer öffentlichen Großveranstaltungen - sollte sich darüber klar werden.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Mission</titel2></feld>
  <feld><absatz>Das Ziel der Freikirchen ist die Mission. Anderen von der guten Nachricht der Bibel zu künden und sie zum Glauben an Jesus zu bringen ist die wichtigste Aufgabe, die sie sich selber stellen. Das ist auch in „idea-Spektrum“ abzulesen. Berichte über unterschiedliche Veranstaltungen, über Ansätze der Mission, über Erfolge sind in jeder Ausgabe zu finden.</absatz></feld>

  <feld><titel3>Beispiele</titel3></feld>
  <feld><absatz>Im Januar 2003 wurde über eine Initiative berichtet, die Bibel in Sprachen zu übersetzen, in denen es noch keine solchen Texte gäbe [Heft 2/2003, S.13]. Der dahinter stehende Gedanke, dass wer die Bibel erst einmal gelesen hat, auch quasi-automatisch christlich würde, impliziert gleichzeitig, das die Zugänglichkeit zu Bibeln das drängenste Problem der Zeit sei. Im Mai 2004 wird auf insgesamt fünf Seiten über sogenannte Willow Creek Gottesdienst berichtet, welche versuchen sich speziell an „Gemeindeferne“ zu richten und einen ziemlichen Happening-Charakter annehmen können [Heft 20/2004, S.20-24]. Die in freikirchlichen Kreisen diskutierte Frage dabei ist, ob das mit der Bibel zu vereinbaren sei. Das die Bibel gegen Kriminalität helfen könne, behauptet dann ein Artikel im Juni 2004. Statt die gesellschaftlichen und persönlichen Ursachen für Kriminalität und Drogenkonsum - die hier offenbar zusammengehören – zu analysieren, soll es darum gehen, bei jedem Menschen „einen Kurswechsel, ‚von einem gottlosen Leben hin zu Gott’“ zu initiieren [Pastor Johannes Holmer, Heft 27/2004, S.10]. Im gleichen Heft werden Tipps für Menschen gegeben, die in die Lage versetzt werden sollen, in Gesprächen ihren Glauben zu verteidigen.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Zudem werden nahezu alle Großveranstaltungen von Freikirchen besprochen. Ob der Jesus-Tag im September 2004 in Berlin, der Schweizer Christus-Tag in Basel im Juni des gleichen Jahres oder Begegnungstage in Mecklenburg-Vorpommern. Selbst wenn solche Veranstaltungen scheitern, wie die sogenannte Impulstour 2004 der Evangelischen Allianz, werden die mickrigen Erfolge vorgestellt.</absatz></feld>

  <feld><titel3>Mission / Bildung / Jugend / Sport</titel3></feld>
  <feld><absatz>Ein besonderes Augenmerk richten die Freikirchen auf Bildung und Jugendarbeit. Christliche Erziehung von früh auf zu bieten, ist selbstgestelltes Ziel unzähliger Initiativen. Die Anzeigenseiten des idea-Spektrum sind voll mit Gesuchen nach christlichen Lehrerinnen und Lehrern, Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern. Im Februar 2003 wird ein Blick in eine solche christliche Schule geboten. Dort sei die Vermittlung von Werten immanenter Bestandteil der Lehre, dadurch gäbe es weniger Störungen im Unterricht und weniger Prügeleien. Das allerdings ist teuer erkauft:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Es ist ungewöhnlich still, stets redet nur einer. Kaugummi kauen, Essen und Trinken sind während des Unterrichts verboten; wer etwas sagen möchte, muß sich vorher melden. Legt jemand den Kopf auf der Schulbank ab, wird er aufgefordert, sich wieder aufrecht hinzusetzen. Jedes Störmanöver wird sofort unterbunden.“ [Heft 9/2003, S.20]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Im Editorial der Ausgabe 21/2004 wird die sogenannte Bildungsmisere dem angeblichen Atheismus der 68er angelastet:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Liebe Leserin, lieber Leser, auch Täter können Opfer sein: Zitternd und zagend betreten heute die der 68’er Revolution entstammenden Pädagogen die Klassenräume der von ihnen chaotisierten Schulen. [...] Dieser bis heute spürbare antichristliche Wahnsinn ist der eigentliche Grund unsere Bildungsmisere, nach der 20% der Jugendlichen in unserem Land weder einigermaßen lesen, rechnen noch schreiben können.“ [Prof. Dr. Dr. Georg Huntemann, Heft 21/2004, S.3]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Daneben finden sich durchgängig Berichte von auf Jugendliche zugeschnittenen Angeboten wie den „Zeltmission“ genannten Jugendlagern und dem Festival christlicher Popgruppen „Jesus House“. Für Sportlerinnen und Sportler wird extra gesorgt. So wird sich auf der einen Seite gegen das Leistungsdenken im Spitzensport ausgesprochen [Heft 35/2004, S.16-17], gleichzeitig wird auf der anderen Seite begeistert über seelsorgerische Dienste für Teilnehmerinnen und Teilnehmer der letzten Olympiade berichtet [Heft 31-32/2004, S.16-17]. Auf die Fußball-WM 2006 in Berlin gerichtet wird ein Aufruf  für sogenannte missionarische Dienste gestartet, wobei der Artikel von erhofften 20.000 willigen Missionarinnen und Missionaren spricht.</absatz></feld>

  <feld><titel3>Unterdrücktes Christentum</titel3></feld>
  <feld><absatz>Ein besonderes Thema ist die Mission in Ländern, in welchem es verboten ist und staatlich verfolgt wird, sich zum christlichen Glauben zu bekennen. Das ist ein tatsächlich existentes Problem, doch bei idea wird es zum rein religiösen erklärt. Nicht auf die politische und gesellschaftliche Verfasstheit von Staaten, sondern einzig auf Bösartigkeit und moralische Unzulänglichkeiten hin werden diese Situationen interpretiert. Und ähnlich ist auch die Hilfe, welche freikirchliche Vereine den verfolgten Christinnen und Christen angedeihen lassen: Bibeln, Bekehrungsanweisungen und Geld für den Bau von Kirchen. Wichtig ist hier einzig, dass die Menschen christlich werden oder sind, nicht ihre soziale oder politische Situation. Dabei richtet sich ein Großteil der Berichterstattung auf China.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Auch über andere Länder wird berichtet und fast immer sind die Artikel mit Zahlen geschmückt, welche die Christenheit als unterdrückt darstellen sollen. Prozentual wird die Verteilung der religiösen Bekenntnisse unter der jeweiligen Bevölkerung aufgeführt: „Indien 80% Hindus 12% Moslems 2,4% Christen 2% Sikhs“ [Heft 24/2004, S.12] Wenn von Ländern mit mehrheitlich christlichem Glauben berichtet wird, werden die Konfessionen aufgegliedert, somit erscheinen die Freikirchen als unterdrückt, andere Religion allerdings kommen dann nicht vor: „Konfessionen in der Schweiz 41,8% römisch-katholisch 40,3% evangelisch-reformiert 2,5% evangelisch-freikirchlich“ [Heft 24/2004, S.13]</absatz></feld>

  <feld><titel2>Moral</titel2></feld>
  <feld><absatz>Das Hauptproblem der Gesellschaft ist für die Freikirchen die mangelnde Moral, welche letztlich aus dem fehlenden Glauben an Jesus resultieren würde. Umgekehrt sei eine rigide Moral Lösung aller gesellschaftlichen Probleme.</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Kinder mit guter religiöser Erziehung sind deutlich weniger gewalttätiger als andere. [...] Der Politikerin [Corinna Werwigk-Hertneck (CDU), Justizministerin Baden-Württemberg] zufolge ist religiöse Erziehung eine wichtige Vorbeugung gegen Kriminalität. Familien, Gemeinden und Jugendleiter sollten die pädagogische Bedeutung von Gottesdienst, Bibellesen und Gebetszeit nicht geringschätzen.“ [Heft 40/2003, S.7]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Aus dieser Perspektive heraus wird Bundespräsident Köhler wegen einem Bekenntnis zu den 10 Geboten gelobt [Heft 27/2004, S.16], dagegen werden die Gehälter von Managern als „obszön“ bezeichnet [Heft 27/2004, S.8] - was ausnahmsweise dem deutschen Mainstream entspricht -, es wird die Sucht nach „Internet-Sex“ herbeigeredet und gleich ein Gegenprogramm empfohlen [Heft 24/2004, S.15]. Die Geschichte um das Rettungsschiff Cap Anamur, dessen Mannschaft mit der Rettung von Flüchtlingen aus Afrika auf die Folgen der „Festung Europa“ aufmerksam machen wollte, wird erwähnt, weil angeblich einer der Flüchtlinge - ein Christ - im Gegensatz zu allen anderen nicht bei der Angabe seines Heimatlandes gelogen hätte. Das die anderen Flüchtlinge - falls die Geschichte wahr ist - ein Herkunftsland genannt haben, dass ihnen eine höhere Chance auf Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus geben könnte, um ihre Lebens- und Überlebenschancen zu erhöhen, kommt dabei „idea-Spektrum“ nicht in den Sinn [Heft 31-32/2004, S.13]. Es geht um Gottesgläubigkeit, nicht um den rassistischen Alltag.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Das sich diese Bibeltreue auch auf das Sexualleben auswirken soll, überrascht nicht. „Warum soll ich warten?“ [Heft 35/2004, S.24] ist ein Ratgeber und eine religiöse Stütze für Jugendliche, damit sie Sexualität tatsächlich erst und nur in der Ehe ausleben.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Die Moral selber ist aus Gottes Wort zu lesen und nicht aus den Verhältnissen, so ein weiterer Grundtenor der Zeitung. Auch wenn in einzelnen Diskussionsbeiträgen Toleranz simuliert wird, durchzieht sie die Forderung, der Bibel wortgenau zu folgen. „Wer [...] wissentlich die Heilige Schrift nach dem Geschmack dieser gegenwärtigen Spaßgesellschaft selektiert, wird den Zorn Gottes auf sich herabbeschwören.“ [Prof. Dr. Dr. Georg Huntemann, Heft 3/2003, S.23]. Selbst wenn es um das - eigentlich feministische - Projekt einer „Bibel in gerechter Sprache“ - das heißt mit geschlechtsparitätischem Wortlaut und besonderer Betonung der Frauen - geht, zählt die Treue am Text selber als höchstes Kriterium [Heft 24/2004, S.16].</absatz></feld>

  <feld><titel2>Feindbilder</titel2></feld>
  <feld><absatz>„Idea-Spektrum“ bliebe eine Vereinszeitung, wenn sie sich auf genannte Themen beschränken würde. Sie nimmt aber auch die Aufgabe wahr, die latenten Feindbilder der Freikirchen mit Beispielen zu füllen.</absatz></feld>

  <feld><titel3>Atheismus / Linke / Verschwörerinnen und Verschwörer</titel3></feld>
  <feld><absatz>Aktive Atheistinnen und Atheisten gibt es so gut wie keine. Trotzdem: idea-Spektrum schafft es immer wieder solche Tendenzen auszumachen. Dabei ist für sie Atheismus nicht einfach das Nicht-an-Gott-Glauben, sondern ein tiefer moralischer Verfall. „Ist Krise [Europas] im Atheismus begründet?“ [Heft 36/2004, S.7] ist da eine ernstgemeinte Frage. Wie schon weiter oben zitiert, wird der Atheismus auch für die aktuellen Probleme an Deutschlands Schulen verantwortlich gemacht.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Die Strategie gegen solches Denken ist übrigens beten. Als die Berliner Gruppe HUmmel-Antifa einen Aufruf gegen den Jesus-Tag 2004 veröffentlichte, in welchem sie den veranstaltenden Freikirchen unter anderem Rassismus, Sexismus, Antisemitismus und Nationalismus vorwarf, wurde dies vom einem der Jesus-Tag-Organisatoren, Axel Nielsen - zufällig Vorsitzender der evangelischen Allianz - mit der Ankündigung gekontert, auf „Gegendemonstranten [...] mit Gebet im Vorfeld sowie Gesprächsbereitschaft“ zu reagieren [Heft 37/2004, S.12]. Um sich das Phänomen Atheismus verständlicher zu machen, wurde in diesem Artikel ein Zusammenhang der HUmmel-Antifa mit dem Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten behauptet - dieser hatte nicht mehr getan, als auf seiner Homepage auf den Aufruf hinzuweisen und ein Vertreter hatte einmal eine Veranstaltung für die HUmmel gehalten. Die Feinde, so der Tenor, stecken unter einer Decke. Eine Affinität zur Verschwörungstheorie deutet sich hier an.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Diese wurde in einem „Leserbrief“ im Februar 2003 deutlicher, als es gegen die „Freimaurer“ ging:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Mit Blick auf die weltweit gering erscheinende Zahl agierender Freimaurer mag der Anschein erweckt werden, dass deren Arbeit an der ‚Neuen Weltordnung’ längst nicht so einflussreich und weit gediehen sei. Doch der Schein trügt. In ihrem nicht umsonst als Geheimbünden bezeichneten Zirkeln wirken die Geld- und Macht-Eliten trotz geringer ‚Masse’ mit dafür um so stürmerischem Einfluss.“ [Friedericke Brown, Heft 9/2004, S.5]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Auch in anderen Teilen der Gesellschaft sind Verschwörungstheorien pupulär. Genau wie hier dienen sie dazu, sich von einer Analyse der Welt abzuwenden, indem ein allmächtiger Feind konstruiert wird, hinter dessen Wirken alle anderen Probleme nicht und klein erscheinen. Nie haben solche „Theorien“ - die sie ja streng genommen noch nicht einmal sind, werden doch die Fakten immer zurechtgebogen, um in das eigenen Weltbild zu passen und nicht etwa, wie bei wissenschatlichen Theorien, interpretiert – einen ernstzunehmenden Bezug zu Realität. Sie sind immer dem antisemitischen Denken mindestens nahe, auch wenn – wie hier – einmal andere als Jüdinnen und Juden zu  den im Hintergrund agierenden Feindgruppen gezählt werden.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Mit dem Atheismus eng verbunden ist für die Freikirchen, neben der radikalen Linken, die PDS. Diese sei an der hohen Zahl für nicht Gläubige in der ehemaligen DDR verantwortlich und wolle auch heute gegen religiöse Symbole, ergo Kreuze, in der Öffentlichkeit vorgehen. Konsequent ist in diesem Zusammenhang die Meldung, dass ein Pfarrer nicht PDS-Mitglied sein dürfe [Heft 35/2004, S.6].</absatz></feld>

  <feld><titel3>Islam</titel3></feld>
  <feld><absatz>Der Hauptfeind heißt für das freikirchliche Spektrum Islam. Jene Religion wird als grundsätzlich gewalttätig und gefährlich dargestellt. Diese Haltung sollte nicht mit einem notwendigen Kampf gegen Islamismus verwechselt werden, der Islam ist hier einfach eine Projektionsfläche für das Böse in der Welt geworden. Es gäbe einen Plan des Islam das christliche Abendland zu unterwandern, und davor gälte es das Christentum zu schützen, so der Tenor, welcher in den Heften immer wieder angeschlagen wird. Die Lösung heißt hier wieder Jesus:
„Die Wurzel der Gewalt liege im Islam selbst [, sagte Martin Landmesser von der Evangelischen Karmelmission]. Zugleich warnte Landmesser davor, jeden Moslem als Gefahr zu sehen. Moslems seien vielmehr Opfer ihrer eigenen Lehre. Ihnen könne nur der christliche Glaube helfen [...]. Landmesser rief auf, Moslems mit Jesus Christus bekannt zu machen.“ [Heft 27/2004, S.12]</absatz></feld>
  <feld><absatz>Rassistische Stereotype und Bilder sind Teil dieser antiislamischen Berichterstattung: „Europa wird Teil West-Arabiens“ [Heft 35/2004, S.13], „Kampf der Kulturen hier in Europa“ [Heft 36/2004, S.9] oder der Artikel „(Islamisches) Kopftuch ja, (christliches) Kreuz nein“, in welchem der Eindruck vermittelt wird, dass der Islam in Deutschland von einem immer unchristlicheren Staat protegiert, das Christentum dagegen nach und nach eingeschränkt würde.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Bezeichnend sind auch die drei abgedruckten „Leserbriefe“, welche der Meldung folgten, dass der Berliner Bischof Martin Huber - Vorsitzender der Evangelischen [Landes-]Kirchen Deutschland - sich ein an das „Wort zum Sonntag“ angelehntes Sendeformat „Wort zum Freitag“ vorstellen könne.</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Ich bin nicht dafür, ein ‚Wort zum Freitag’ für Muslime einzurichten. Das kann man nur einer Religionsgemeinschaft gewähren, die sich zu unseren Werten bekennt. [...] Die propagierte Friedensliebe, die man immer wieder von Muslimen hört, halte ich für ein Lippenbekenntnis, das nicht ernst genommen werden darf.“ [Sagt ein christlicher Fundamentalist, der gleichzeitig damit verlangt, dass seine Friedfertigkeit ernst genommen wird.] [Ronald Hofmann, Heft 21/2004, S.5]</zitat></feld>
  <feld><zitat>„Damit sägen wir in Mitteleuropa am eigenen christlichen Ast, auf dem wir sitzen. Es gibt leider ernst zu nehmende Prognosen, dass Deutschland 2020 zum Kalifat erklärt werden kann. Daran würde Herr Huber mitarbeiten.“ [Hans Wolf Mahler, ebenda]</zitat></feld>
  <feld><zitat>„Was werden wohl rot-grüne Politiker und führende Kirchenleute sagen, die sich für eine uneingeschränkte Zuwanderung aus islamischen Ländern einsetzen [sic!], wenn sie im ‚Freitagswort’ hören: ‚Schlimmer als das Vieh sind bei Allah die Ungläubigen ...’ (Sure 8,57) [...] [Das Wort zum Freitag] hätte zur Folge, dass der Staatsschutz eingreifen müsste, Gerichte entsprechen verurteilen und Asylrechte aufheben und dann eine schnelle Abschiebung der führenden Köpfe erfolgt.“ [Herbert H. Nowitzky, ebenda]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Im Letzten Zitat zeigt sich noch einmal explizit der Glaube, dass der Islam und der Islamismus allesamt Importe seien und nicht etwa schon längst eine Normalität unter deutschen Staatsbürgerinnen und Staatsbürgern.</absatz></feld>

  <feld><titel3>Katholizismus</titel3></feld>
  <feld><absatz>Der Katholizismus ist für die Freikirchen zum großen Feind innerhalb der Christenheit geworden. Während die Evangelischen Landeskirchen und in Berichten über andere Länder die Orthodoxen Strömungen schon mit Spott belegt und ihnen unchristliches Verhalten vorgeworfen wird, ist die katholische Kirche Ziel von expliziten Angriffen. Dabei geht es vor allem um die Frage nach der „Einheit der Christenheit“, dass heißt letztlich, ob der Papst auf seinen Anspruch Stellvertreter Christi zu sein, verzichtet oder nicht. Dieser Anspruch macht es für Freikirchen unmöglich, mit der katholischen zusammenzuarbeiten. Zudem spielt auch bei diesem Thema die Frage nach der Interpretation der Bibel herein. Darf - wie in der katholischen, aber auch der evangelischen, Theologie - die Botschaft Gottes auf solche Grundsätze wie Nächstenliebe und die Auferstehung Jesu reduziert und die Bibel vor allem als Buch aus der Geschichte verstanden, oder muss sie buchstabengetreu erhalten bleiben und befolgt werden?</absatz></feld>
  <feld><absatz>Diese Auseinandersetzung führt zu Meldungen, wie der folgenden:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Konservative Evangelikale [Freikirchlerinnen und Freikirchler] haben entschieden Widerstand gegen eine Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche angekündigt. [...] [Dies] führe zu einer Einheit auf Kosten der biblischen Wahrheit und letztlich zurück in die Arme ‚Roms’ [...].“ [Heft 21/2004, S.8]</zitat></feld>

  <feld><titel3>Okkultismus / heidnische Religionen</titel3></feld>
  <feld><absatz>Christentum, Islam und - wie wir später sehen werden - Judentum sind dem „idea-Spektrum“ folgend Religionen. Alle anderen Sekten, Religionen, esoterischen Strömungen dagegen werden eher als absurde Erscheinungen betrachtet, die abgelehnt und dabei von oben herab behandelt werden. Größere Gemeinschaften - die der Zahl der Gläubigen nach oft größer als die Christenheit insgesamt sind - werden als heidnische - ergo unzivilisierte - Religionen bezeichnet, wie der Hinduismus, der Buddhismus, der Shintoismus, die Sikhs, die Ba’hai. Andere Strömungen dagegen als Okkultismus, dass heißt als durch den Teufel - wer der Bibel treu folgt, glaubt auch an den - pervertierte Religionsversatzstücke. Aber ganz abgesehen von der neokolonialistischen Perspektive, die so eingenommen wird - Christentum / Europa als Zivilisation, Okkultismus als perverses Spiel mit dem Teufel, der Rest der Welt als unzivilisiert -, ist der Umgang ähnlich. So jemand aus diesen Glaubensystemen zum Christentum übertritt, kann sie oder er mit begeisterter Aufnahme rechnen - in „idea-Spektrum“ vor allem in der ganzseitigen Rubrik ‚Portrait’ auf dem Heftrücken. Ansonsten wird angewidert auf die Untaten dieser Gruppen hingewiesen. Der religiöse Kampf allerdings richtet sich nicht gegen sie, dafür gelten sie eher als unwichtig.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Trotzdem: Das die evangelische Organisation „Brot für die Welt“ den Dalai Lama zum ökumenischen Kirchentag 2003 nach Berlin geladen hatte, war eine ganze Seite wert. Wobei dem Dalai Lama nicht etwa sein radikale feudalistisches und menschenverachtendes Weltbild vorgeworfen wurde, sondern dass er von seinen Anhängerinnen und Anhängern Gott genannt wird [Heft 40/2003, S.20]. Das eine mittelständige Firma einen Schokoladen-Teufel herstellt, nahm eine freikirchliche Gemeinde aus Schalksmühle zum Anlass für Proteste, auf welche die Firma auch noch mit einer Verteidigung reagierte [Heft 9/2003, S.8]. Ebenso wurde sich über eine Halloween-Party der CDU Erzhausen aufgeregt, welche es gewagt hatte einen Kostümwettbewerb für Hexen und Magier auszuschreiben [Heft 18/2004, S.8]. Was für Außenstehende absurd erscheint, ist zumindest einigen Freikirchlern und Freikirchlerinnen ernst: der Teufel lauert überall und versucht ständig einzelne Seelen für sich zu gewinnen. Insoweit: auch wenn es schlimmere Feinde - Islam, Atheismus, Katholizismus - gibt, gilt es die Augen offen zu halten und notfalls zu beten und zu protestieren.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Lebensschutz</titel2></feld>
  <feld><zitat>„Wer abtreibt, - begeht 7x häufiger Selbstmord - geht 80% häufiger zum Arzt - benötigt 180% häufiger psychologische Hilfe“ [Heft 3/2003, S.11]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Wenn es ein Thema gibt, auf dass sich nahezu alle Freikirchen einigen können, ist das der sogenannte Lebensschutz. Das heißt, Gott hat jedes Leben gegeben und nur er darf es auch beenden - zumindest menschliches Leben. Diese These gilt für Lebensschützerinnen und Lebensschützer immer und ohne Einschränkungen. Sterbehilfe und Abtreibungen, sowie fast alle Formen der Verhütung lehnen sie deshalb vollständig ab. Leben beginnt für sie bei der Befruchtung der Eizellen. Hauptaktionsfeld ist für sie der Kampf gegen Abtreibungen.
Solche Horrormeldungen, wie oben zitiert, kommen da ganz recht und sind gleichzeitig symptomatisch. Alles, was Frauen nach einem Schwangerschaftsabbruch widerfährt, wir als Strafe Gottes interpretiert. Dass psychologische Probleme und Selbstmorde mit einer rigiden Moral und gesellschaftlichen Ächtung zu tun haben könnten, mit dem Druck, den solche antifeministischen Glaubenssysteme, wie sie die Freikirchen zumindest versuchen durchzusetzen; dass auch Frauen, die ihre Schwangerschaft nicht abbrechen öfter zum Arzt gehen, als solche, die nicht schwanger werden; dass die Verhütung oder der Abbruch einer Schwangerschaft gute Gründe haben kann, aber genauso berechtigt ist, wenn es diese nicht gibt und vor allem, dass das eine Sache der einzelnen Frau ist, in die sich religiöse Autoritäten genauso wenig einzumischen haben, wie andere; all das ficht die Lebensschützerinnen und Lebensschützer nicht an. Gott hat Leben gegeben und damit fertig.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Carsten Hess, Pastor in Gummersbach-Niderseßmar, fasst dieses Denken in einem Kommentar nach der Geburt seines eigenen Sohnes zusammen:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„[...] ich musste an die vielen (pro Jahr sind es allein in Deutschland über 500.000) Frauen und Männer denken, die ihre Elternrolle bewusst abgelehnt haben, indem sie ihr Kind abtreiben ließen. Warum? Wie kann man einem zarten Körper, der so randvoll ist von Gottes Herrlichkeit, wie kann man den einfach zerstückeln lassen [...]? Was maßen sich Menschen an, wenn sie sich dem Schöpferwillen Gottes so brutal entgegenstellen? Ich rate allen potentiellen Eltern, die - anders als wir [er und seine Frau] - mit dem Gedanken spielen: Macht einmal einen Besuch auf der Neugeborenenstation des nächstenliegenden Krankenhauses!“ [Heft 21/2004, S.18]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Hier erübrigt sich jede Diskussion, den es gibt keine Grundlage dafür. Der Glauben an ewige, von der Gesellschaft und deren Entwicklung abgetrennt existierende Werte führt konsequent zu der Annahme, dass einzig die Ablehnung dieser Werte für die Abtreibungen verantwortlich sein können. Um dieses Denken zu untermauern, wird auf die absurdesten Vergleiche zurückgegriffen, die weder einer Überprüfung standhalten, noch in der gesellschaftliche Situation aus welcher sie - angeblich - stammen, verortet werden. So wird in jedem Heft idea-Spektrum auf Seite 10, links unten, eine Zahl von in Deutschland angetriebenen Kindern verkündet, die gleichzeitig nie belegt ist. Allgemein wird das Bild einer Gesellschaft gezeichnet, in der Abtreibung quasi straffrei und zum Volkssport geworden sei.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Bezeichnend ist dabei die Auseinandersetzung mit der katholischen Organisation Pro Familia, welche von „idea-Spektrum“ simuliert wird. Pro Familia selber arbeitet daran das gesellschaftliche Ideal heteronormativer Familien, inklusive Kindern in der Ehe, aufrecht zu erhalten. Sie hat zudem das Recht Beratung von Schwangeren durchzuführen und sogenannte Beratungsscheine auszustellen. Diese sind von staatlicher Seite bei Abtreibungen zur Pflicht gemacht worden. Dass Pro Familia in einigen Gebieten Deutschlands zur einzigen Organisation mit diesem Recht geworden ist, führt zu der abstrusen Situation, dass Schwangere eine Beratung über sich ergehen lassen müssen, deren erklärtes Ziel es ist, ihnen den Schwangerschaftsabbruch auszureden. Doch dies reicht dem freikirchlichen Spektrum nicht. Pro Familia betreibt neben dieser Beratung auch Abtreibungskliniken, zudem hat die Organisation in den letzten Jahren Aufklärungskampagnen unterstützt, welche vorbeugend Schwangerschaften zuvorkommen und vor Sex ohne Verhütungsmittel warnen sollten. Darauf reagierten die „Christdemokraten für das Leben“, die damit zustimmend in idea-Spektrum zitiert werden, wie folgt:</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Pro Familia habe durch Aufklärungskampagnen und -materialien die Jugend immer früher sexualisiert und zu freizügigen Geschlechtsverkehr ermuntert. Ein Ergebnis seien die steigenden Zahlen von Schwangerschaften bei Minderjährigen. Pro Familia sehe seit langem Abtreibung als gleichwertige Alternative zur Geburt des Kindes an, ohne auf die Rechtslage und die Gefahren durch Abtreibung für die Frauen hinzuweisen [...].“ [Heft 35/2004, S.6]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Das ein solches Denken mit einem radikal-moralischen und sexistischen Menschenbild einhergeht, ist wenig überraschend. Jugendliche, die Sex haben, ist ihm eine Horrorvorstellung, einzig in der Ehe ist er erwünscht. Wenn doch einmal Verhütungsmethoden besprochen werden, dann ist es die „natürlich Methode“, die als bibelgerecht angepriesen wird [Heft 18/2004]. Bei dieser geht es einfach darum, an den angeblich fruchtbaren Tagen der Frau auf Sex zu verzichten. Reglement statt Spaß ist das Motto und nebenbei wird unterschlagen, dass Kondome neben Schwangerschaften auch Geschlechtskrankheiten verhüten können.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Das alle Frauen Mutter werden wollen, ist eine weitere mit diesem Themenkomplex zusammenhängende These der Freikirchen. Dies zu unterstützen ist ihr Ziel. Nur deshalb bringen sie Forderungen vor, welche einst in der feministischen Bewegung formuliert wurden, wie die nach einem Lohn für Mutterschaft [Heft 25/2004, S.12]. Doch diese Forderung ist keinesfalls als Beitrag zur Abschaffung patriarchaler Verhältnisse zu verstehen, sondern einzig aus der Hoffnung, dass so mehr Kinder geboren würden.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Homophobie</titel2></feld>
  <feld><absatz>Das Gegenteil intakter Familien sind für „idea-Spektrum“ die homosexuellen, genauer die schwulen, Partnerschaften. Ausführlich wird über einen angeblichen Durchmarsch dieser in der Gesellschaft berichtet und das Bild einer unmoralischer, gefährlichen und einflussreichen Bewegung gezeichnet. Die Schwulen sind zu einer großen Feindgruppe erklärt worden.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Ausführlich wird dies im Artikel „Nicht Familie nennen, was nicht Familie ist“ [Heft 28/2004, S.20-21] behandelt. Zuerst wird bestritten, dass Schwule überhaupt eine Beziehung führen können, welche der heterosexuellen Ehe ähnlich wäre.</absatz></feld>
  <feld><zitat>„Die Umdeutung der Ehe mit dem Ziel, homosexuellen Beziehungen ein ‚Eherecht’ [gemeint ist hier die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft, die realistisch betrachtet mitnichten der Ehe gleichgestellt ist], ebenso wie die Umdeutung der Familie mit dem Ziel homosexuellen Beziehungen über ein Adoptionsrecht ein ‚Recht auf ein Kind’ zu geben [was gerade nicht Teil der eingetragenen Partnerschaften ist, doch dieser Fakt lässt die Schreiberinnen und Schreiber der Horrorgeschichte aus dem freikirchlichen Bereich kalt] greift tief in unsere menschheitsgeschichtlich tradierten Vorstellung von Ehe und Familie ein.“ [Christl R. Vonholdt, ebenda]</zitat></feld>
  <feld><absatz>Das ist zum einen falsch - die Familie, die hier verteidigt wird, tritt erst Anfang des 18. Jahrhunderts in  der europäischen und nord-amerikanischen Gesellschaft auf -, zum anderen wäre das eigentlich egal- Veränderungen gibt es schließlich ständig. Hier aber erscheint dies als ein Grund, gegen Homosexualität vorzugehen.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Im nächsten Schritt behauptet die Autorin, dass Homosexualität einzig aus dem Ekel vor dem anderen Geschlecht erklärt werden könne. Diese Behauptung führt in anderen Artikeln zu der Behauptung, dass Schwul- und Lesbischsein eine falsche Lebensweise sei, die „heilbar“ wäre. Im Heft 9/2003 [S.10] ist ein Artikel mit „Verirrungen rückgängig machen“ überschrieben, in welcher die „Evangelische Vereinigung für Bibel und Bekenntnis in Baden“ mit der Forderung zitiert wird, Homosexuelle auf „therapeutische Möglichkeiten für eine Umorientierung“ hinzuweisen, das heißt heterosexuell zu werden.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Vor allem für Kinder seien Homosexuelle gefährlich. In dem schon zitierten längeren Artikel „Nicht Familie nennen ...“ wird vollkommen ohne Bezug zur Realität behauptet, dass Kinder, die in homosexuellen Partnerschaften aufwachsen, zu 29% sexuell belästigt werden, 0,6% dagegen seien es in heterosexuellen Beziehungen [Heft 28/2004, S.21]. Das ist selbstverständlich eine zurechgebogene Lüge, soll aber die Forderung untermauern keine homosexuelle Elternschaft zuzulassen.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Abschließend wird Homosexualität als eine Form von Verrücktsein beschrieben. Die Forschung hätte „zahlreiche Hinweise darauf [gefunden], daß eine homosexuelle Neigung in einem komplizierten Entwicklungsprozeß erworben wird und dass dabei frühkindliche Störungen in der Familienstruktur eine wichtige Rolle spielen.“ [ebenda]</absatz></feld>
  <feld><absatz>Das ist ebenso kein Argument. Jede sexuelle Identität ist in einem solchen Prozess erworben, „natürlich“ ist auch die heterosexuelle nicht, und dabei ist es egal unter welcher Form von Elternschaft oder in welchem sozialen Zusammenhang das geschah. Eine heterosexuelle Umgebung ist dabei weder weniger, noch unbedingt mehr gewaltförmiger, als eine homosexuelle.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Die rigorose Bipolarität, mit der dieses Thema behandelt wird - es gibt hier nur hetero- oder homosexuell -, die Unverfrorenheit, mit der Fakten beigebogen und Bedrohungsszenarien entworfen werden ist zwar erstaunlich. Doch sie passt in das religiöse Weltbild der Freikirchen.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Judenmission / Antisemitismus</titel2></feld>
  <feld><absatz>Das Judentum hat eine eigenständige Stellung innerhalb des freikirchlichen Denkens erhalten. Während alle anderen Religionen als Verfehlungen angesehen werden, ist das Judentum quasi ein unfertiges Christentum. Ein relevanter Teil innerhalb dieser Szene geht davon aus, dass eine friedliche und gottgewollte Welt nur durch die Mission aller Jüdinnen und Juden - die hier als per se religiöse verstanden werden - zu Jesus zu erreichen ist. Dies führt zu einer ambivalenten Haltung zwischen Philo- und Antisemitismus. Auf der einen Seite wird die Solidarität mit Israel und dem jüdischen Volk gefordert, auf der andern Seite wird dessen Mission gefordert und in Gestalt der sogenannten messianischen Juden - die zum Christentum Konvertierten – direkt gefördert. Der gesamte Konflikt im Nahen Osten wird als biblischer Kampf von Gott gegen Teufel beschrieben.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Neben dieser verbrämten Form des Antisemitismus, der die Jüdinnen und Juden als unvollständig beschreibt, wurde im Bezug auf die Rede Martin Hohmanns, für die er aus der CDU ausgeschlossen wurde, eindeutig Stellung bezogen. Im Editorial der Ausgabe 25/2004 [S.3] beschreibt zum Beispiel Helmut Matthies [idea-Leiter] diese Rede als nicht antisemitisch und Hohmann selber als „engagierten Christen“. Im gleichen Heft [S.20-21] wird der Film „Passion“, welcher die Geschichte des Weges Jesu zum Kreuz erzählt und dabei die Jüdinnen und Juden als gewalttätige und hasserfüllte Masse darstellt, vor allen Antisemitismusvorwürfen in Schutz genommen.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Anderes</titel2></feld>
  <feld><absatz>Auch andere Themen lassen sich aus den Ausgaben von „idea-Spektrum“ herausarbeiten, allerdings nicht so explizit oder in der Masse, wie die schon besprochenen.</absatz></feld>
  <feld><absatz>So lässt sich eine deutsch-nationalistische Tendenz festhalten. Der sprachpuristische Verein Deutscher Sprache wird positiv erwähnt [Heft 3/2003, S.12], ebenso wird durchgehend an der alten Rechtschreibung festgehalten, die Sorge bei Fragen nach Mutterschaft oder Moral geht nahezu immer einher mit der erklärten Sorge um Deutschland.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Zudem ist der Hang zur Autoritätshörigkeit offensichtlich. Die Lösung aller gesellschaftlichen Probleme wird - neben dem Gebet - vorrangig den politischen Akteuren zugetraut, sie sind es, an die sich die moralischen Forderungen und Vorschläge richten, sie sind es auch, die begeistert zitiert werden, wenn sie sich einmal für das Christentum äußern.</absatz></feld>
  <feld><absatz>Dagegen wird teilweise die Bibeltreue so weit getrieben, die Darwinsche Vererbungslehre und andere wissenschaftliche Theorien mit dem Argument zu bekämpfen und als vollkommen falsch darzustellen, weil sie der Bibel, insbesondere den beiden Schöpfungsgeschichten, widersprächen. Die Kreationisten genannten Strömungen, welche solche Thesen vertreten, werden in der Gesellschaft allgemein als verrückt abgetan, in „idea-Spektrum“ werden sie als ernstzunehmend präsentiert.</absatz></feld>

  <feld><titel2>Fundamentalismus, at the end</titel2></feld>
  <feld><absatz>Antisemitismus, Homophobie, Sexismus, Antifeminismus, Nationalismus und anderes. Zusammengefasst erscheinen die Themen der Freikirchen als ein unglaublich reaktionäres und regressives Weltbild - auch wenn es selbstverständlich auch bei Freikirchen unterschiedliche Strömungen zu verzeichnen gibt. Fundamentalistisches Christentum ist für die radikale Linke zu einem weitgehend unbearbeiteten Thema geworden. Die hier gegebene Übersicht sollte klar gemacht haben, dass es trotzdem immer noch existiert. Gefährlich ist es vor allem, weil es nur in Ausnahmefällen als solches wahrgenommen wird. Allerdings lässt sich nicht sagen, wie die Freikirchen sich in den nächsten Jahren entwickeln und ob sie eine Relevanz im gesellschaftlichen Diskurs einnehmen werden. Möglich ist es, zumal - wie schon gesagt - keine wahrnehmbare Gegenbewegung existiert.</absatz></feld>

  <daten>
   <feld>Aktuelle Mitgliederzaheln religiöser Gruppen in Deutschland beim Religionswissenschaftlichen Institut der Universität Leipzig</feld>
   <link href="http://www.uni-leipzig.de/~religion/remid_info_zahlen.htm" text="hier"/>
  </daten>

  <daten>
   <feld>siehe auch den Text</feld>
   <link href="erkennedeinengottisrael.xml" text="Erkenne deinen Gott, Israel! / Zum Antisemitismus in der christlichen Israelsolidaritätsbewegung"/>
  </daten>

  <daten>
   <feld>homepage des mitautors</feld>
   <link href="http://www.chaze.de.vu" target="_blank"/>
  </daten>

  <link href="christlichepropaganda.pdf" text="Text im .pdf-Format"/>

 </artikel>

</kritik>
